Jeder hat schon einmal den Begriff „Essstörung“ gehört, und hat vielleicht schon eine gute Definition dieses Themas im Kopf. Doch heute möchte ich noch genauer auf Essstörungen eingehen – denn es gibt verschiedene Arten, mit ihren eigenen zu überwindenden Schwierigkeiten. Aber wichtig ist es, zu wissen, dass keine Essstörung ‚ungültiger‘ als eine andere sein kann, nur weil sie unbekannt ist oder sich auf den ersten Blick nicht wie eine anhören mag.
Fangen wir mit der Essstörung mit der höchsten Todesrate an; Anorexie.
Anorexie, klinisch Anorexia Nervosa und bekannter als Magersucht hat eine Todesrate von 10.200 Menschen pro Jahr. Dies ist die höchste Todesrate aller offiziell anerkannten Essstörungen. Doch, was ist Magersucht eigentlich? Bei Magersucht, wie der Name bereits verrät, wird eine betroffene Person stets immer dünner und dünner, bis sie zufrieden ist. Dies liegt an ihrer Angst vor Zunahme, aber Zufriedenheit ist in diesem Fall ein sich ständig bewegendes Ziel. Magersüchtige Menschen sind nicht zufrieden, bis sie komplett unterernährt aussehen, doch auch dann hören sie nicht mit der Abnahme auf. Jeden kann dies betreffen; Jungs und Mädchen, jünger oder älter. Aber die meistbetroffenen sind Jugendliche Mädchen, typisch im Alter von 14 bis 25 Jahren. Jedoch ist es nicht selten, dass sogar 11-Jährige betroffen sind. Ein großer Einfluss, der zu diesem mentalen Zustand führt, sind die Sozialen Medien. Online herrschen Schönheitsstandards, die für viele unerreichbar sind. Es gilt „je dünner, desto schöner“. Insbesondere auf TikTok entstehen die ersten Dränge, den Konsum von Essen zu verringern. Aber es geht nicht nur um das äußerliche Erscheinungsbild für die Erkrankten. Es ist ein Kampf im Inneren einer Person, der auf dem Körper zu sehen ist. Während der Magersucht denkt man als Betroffener häufig nur ans Essen, an das eigene Gewicht und Aussehen. Man fühlt sich nach jedem Biss einer Mahlzeit oder eines Snacks schlecht, und zählt Kcal, bis schlussendlich kaum noch etwas gegessen wird. Um schneller abzunehmen treibt man auch zusätzlich Sport, dies führt oft dazu, das Menschen mit Anorexie ohnmächtig werden. Doch dies ist nicht das einzige Problem, das durch Anorexie auftritt. Herzprobleme und Kreislaufprobleme entstehen oft in Folge von Unterernährung. Leider, sogar wenn sich ein/e Magersüchtige/r erholt, bleibt das Schuldgefühl und negative Bild von Essen im Kopf, sowie weitere medizinische Komplikationen, wie die vorher genannten Folgen.
Doch dies ist nicht die einzige Essstörung, die zu Unterernährung führt. Ein weiteres, weniger bekanntes Beispiel ist ARFID.
ARFID, oder Avoidant/Restrictive-Food-Intake-Disorder, deutsch Vermeidend-Restriktives-Essverhalten, ist eine Essstörung, die erst seit dem Jahr 2013 erstmals als eine offizielle erkannt wurde. Ähnlich wie bei Anorexie essen Personen mit dieser Störung weniger. Die meistbetroffenen sind 14-17-jährige Jugendliche, doch diese Krankheit hat in vielen Fällen einen Ursprung in Neurodiversität, insbesondere in Menschen mit ASS (Autismus-Spektrum-Störung). Dies liegt an in neurologischen Störungen oft vorkommenden Problemen mit der Sensorik, was dazu führt, dass sie auf Grund der Textur des Essens weniger zu sich nehmen. Doch sie sind nicht die einzigen von ARFID Betroffenen; Wie gesagt, viele Jugendliche leiden an dieser Essstörung. Sie vermeiden gezielt Lebensmittel, doch ihre Art geht weit über die normale Abneigung von z.B. einer Diät. Aus ARFID kann sich eine Magersucht bilden. Menschen mit dieser Störung haben oft Mangel an einzelnen Stoffen, wie zum Beispiel Eisen. Die Essstörung wird aber oft übersehen und verharmlost, und selten erkannt. Sie mag zwar nicht schlimm aussehen, aber die Folgen der Störung beziehen sich nicht nur auf Nährstoff- und Energiemangel, sondern auch Probleme mit Stuhlgang, extrem schneller Haarnachwuchs und psychische sowie physische Erschwernis.
Aber Essstörungen gehen auch in Richtung Zunahme; ein solcher Fall währe Esssucht/BED.
Bei BED (Binge-Eating-Disorder), auch bekannt als Esssucht, handelt es sich um eine Erkrankung, bei der regelmäßige Ess-Attacken (Binge) vorkommen. Diese entstehen aus Stress, starke Emotionen oder Depressionen, aber die Umgebung kann auch ein Auslöser einer Ess-Attacke sein. In selteneren Fällen ist die Suche nach Dopamin ein Grund für solch ein Essverhalten. Bei dieser Essstörung nehmen die betroffenen Menschen meist zu und werden übergewichtig. Dies ist relativ unkontrolliert und rechtzeitige Abnahme ist schwer. Viele fühlen sich nach solchen Ess-Attacken extremst schuldig, was zu mehr Stress und somit weiteren Ess-Attacken führt. Diese Störung allein kann ein großer Faktor für Depressionen werden, und das Schlimmste ist, dass diese Essstörung mit anderen Essstörungen koexistieren kann. Folgen dieses Essverhaltens sind psychisch (wie Depressionen), sowohl auch physisch (wie extremes Übergewicht). Soziale Beeinträchtigungen als Konsequenz von BED sind auch häufig anzutreffen.
Jetzt kommen wir zur Bulimie.
Bulimie beschreibt eine auch häufig vorkommende Essstörung, bei der normal gegessen wird, allerdings erfahren Menschen mit dieser Störung eine enorm große Schuld, welche zu einer sogenannten Purge (Säuberung) führt. Diese ist in fast allen Fällen sich absichtlich zu übergeben. Erst nachdem sie alles davor gegessene ausgespuckt haben, hört das Schuldgefühl vorübergehend auf. Diese Angewohnheit wirkt sich auf den Alltag aus. Das Verhalten führt zur Beschädigung der Zähne, des Magens, und des Kreislaufs. Nach einiger Zeit kommt das Essen fast wie von alleine hoch. Diese Störung kann jedoch auch mit anderen Essstörungen koexistieren, genauso wie Binge-Eating-Disorder. Die häufigste Kombination wäre Bulimie mit BED, aber kann auch gut mit ARFID, Anorexie und anderen Essverhalten vorkommen. Eine andere Art des Purging wäre exzessives und kompulsives Fasten für die darauf folgenden Tage, oder extreme Sport-Routinen. Einnahme von Insulin oder Drogen kann auch eine Art von Purging sein.
Wie man sieht, wirken sich Essstörungen auf viele Aspekte des Lebens aus. Einige können eine große Gefahr werden, und tödlich enden. Jede Essstörung ist gültig, und jeder, der an einer leidet, braucht Hilfe. Das kann schwer sein, da nicht jeder Fall anerkannt wird. Bei Magersüchtigen, die noch nicht ganz dünn sind, ist das beispielsweise oft der Fall.
Wenn du oder jemand aus deinem Umfeld eine Essstörung hat, ist Unterstützung und Verständnis wichtig. Man kann zum Beispiel zu einem Therapeuten gehen und Erholung suchen. Erholung ist nie schön und einfach, deswegen sollte man ebenfalls Hilfe von Familie oder Freunden suchen, die einen stützen, damit man nicht wieder in die Schleife der Essstörung fällt.