Statt eines Formel-1 Rennens nehme ich euch heute zurück in das Land Ungarn um das Jahr 1825. Falls ihr mehr dazu wissen wollt, klickt gerne hier und lest mehr…
Wir befinden uns in Europa im Jahre 1825. Der Ungarische Landtag in Pressburg wurde erneut gebildet, um über die Staatsfinanzen zu beraten. Währenddessen sich zu dieser Zeit auch eine liberale Partei innerhalb des Parlaments bildete, die eine Reform der Gesellschaftsordnung in Ungarn anstrebte und gegen die zentralistische und absolutistischen Bestrebungen der Wiener Regierung war.
Die Liberalen behaupteten zwar, sich für die Interessen der Landbevölkerung einzusetzen, aber als Vertreter des Adels hatten sie an einer Aufhebung der feudalen¹ Ordnung und der Frontdienste, mit der die Wiener Regierung immer wiederholt drohte, kein Interesse.
Graf István Széchenyi war als politischer Reformer die Leitfigur des neuen Liberalismus². Er versuchte immer wieder, die Wiener Regierung für seine Pläne zu gewinnen. Er hatte lange Zeit einen wohlwollenden Förderer, den Palatin³, Erzog Joseph Anton. Doch der maßgebende Staatsmann Österreichs, Fürst Metternich, hielt Széchenyi für einen rebellischen Geist, welcher es auf die Spaltung des Österreichischen Kaiserreichs abgesehen habe. Er erwies sich für das erstarkende ungarische Nationalgefühl als zu vorsichtig und zu regierungstreu.
Ab 1830 nahm auch der Magnat4, Lajos Batthyány als Mitglied der Magnatentafel an der Sitzung des ungarischen Landtages in Pressburg teil. 1847 wurde er zum Vorsitzenden der Reformer gewählt, als solcher kämpfte er entschlossen für die Autonomierechte Ungarns, für eine selbständige Regierung und eine eigene Verfassung. Er war anders als Kossuth kein Verfechter durch gewaltsames Vorgehen, denn er wollte als gemäßigter Reformer mit der Wiener Regierung durch Verhandeln das gleiche Ziel erreichen.
Der Advokat Lajos Kossuth übernahm im Parlament die Führerschaft über den Kleinadel. 1825 bis 1827 vertrat er den nationalliberal gesinnten Graf Hunyady im Pressburger Landtag; diese Aufgabe übernahm er auch von 1832 bis 1836 für gleich drei Abgeordnete des ungarischen Herrenhauses. Seit Dezember 1832 verfasste er auch die Berichte aus dem Landtag, von Juli 1836 bis Mai 1837 dann die Berichte aus den Munizipien, in denen er Landtagssitzungen und Komitatsversammlungen aufzeichnete. Weil er diese Werke in Abschriften vervielfältigte und sich damit bewusst über ein Verbot der Regierung hinwegsetzte, wurde er wegen Hochverrats angeklagt und für vier Jahre Festungshaft verurteilt am 5. Mai 1837.
Die Wirkliche Revolution in Ungarn begann am 15. März 1848, als in Pest und Buda Massendemonstrationen den kaiserlichen Gouverneur dazu zwangen, alle 12 Punkte der ungarischen Revolutionäre zu akzeptieren:
Was die ungarische Nation will. Mit kiván a magyar nemzet.
Es herrsche Frieden, Freiheit und Eintracht. Legyen béke, szabadság és egyetértés.
- Wir wünschen uns Pressefreiheit und die Abschaffung der Zensur. Kivánjuk a’ sajtó szabadságát, censura eltörlését.
- Zuständiges Ministerium in Buda-Pest. Felelős ministeriumot Buda-Pesten.
- Jährliche nationale Freiluftversammlungen in Pest. Évenkinti országgyülést Pesten.
- Gleichheit vor dem Gesetz in zivilen und religiösen Angelegenheiten. Törvény előtti egyenlőséget polgári és vallási tekintetben.
- Nationalgarde. Nemzeti őrsereg.
- Gemeinsame Lastenverteilung. Közös teherviselés.
- Beseitigung der Urbé-Beziehungen. Urbéri viszonyok megszüntetése.
- Jury, Vertretung auf der Grundlage der Gleichheit. Esküdtszék, képviselet egyenlőség alapján.
- Nationalbank. Nemzeti Bank.
- Das Militär sollte einen Eid auf die Verfassung schwören, unsere ungarischen Soldaten sollten nicht ins Ausland gebracht werden, und Ausländer sollten von uns weggebracht werden. A’ katonaság esküdjék meg az alkotmányra, magyar katonáinkat ne vigyék külföldre, a’ külföldieket vigyék el tőlünk.
- Politische Gefangene sollten freigelassen werden. A’ politikai statusfoglyok szabadon bocsáttassanak.
- Union. Unio.
Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit! Egyenlőség, szabadság, testvériség!
Darauf folgten mehrere Aufstände im gesamten Königreich, die dazu führten, dass die ungarischen Reformkräfte eine neue Regierung für Ungarn mit Lajos Batthyány als Premierminister ausriefen. Die neue Regierung verabschiedete umfassende Staatsreformen, die die Schaffung eines demokratischen Staates in Ungarn zum Ziel hatten. Sie beinhalteten auch, dass die ungarische Regierung die volle Hoheit über die Verwendung aller in Ungarn erhobenen Steuern sowie den Oberbefehl über die ungarischen Regimenter der Kaiserlich-Königliche Armee erhalten sollten.
Obwohl die Minister bei vollem Bewusstsein waren, einen Bürgerkrieg zwischen Ungarn und Kroatien auszulösen, boten sie der ungarischen Regierung an, den Habsburgern im Sommer 1848 ungarische Truppen nach Oberitalien zu senden, um Unterstützung gegen den habsburgtreuen, aber antiungarisch gesinnten Ban von Kroatien, Joseph Jelačić von Bužim, zu erhalten. Ende August aber wies die kaiserliche Regierung aus Wien die ungarische Regierung in Pest an, alle Pläne einer ungarischen Armee einzustellen, Jelačić begann dann ohne offiziellen Befehl mit militärischen Aktionen gegen die ungarische Regierung.
Kroatien war auch ein Nebenland des Königreichs Ungarn und die Abgrenzung der Kompetenz der beiden Landtage sorgte immer wieder für Auseinandersetzungen. Auch durch die zuhnehmende Magyarisierungspolitik, also eine Gleichsetzung Ungarns mit der Nationalität und Sprache, welche in den 1840er Jahren begann und sich mit der Revolution nur noch weiterhin verstärkte, fühlten sich viele Kroaten bedroht.
In einem Dreifrontenkrieg sahen die ungarischen Radikalen in Pest eine gute Gelegenheit, das Parlament mache im September lieber Zugeständnisse den Radikalen gegenüber, um die Geschehnisse nicht in gewalttätigen Konfrontationen ausarten zu lassen. Da sich auch in Wien revolutionäre Ereignisse abspielten, akzeptierten die Österreicher zunächst die neue ungarische Regierung. Nachdem aber die Revolution in Wien niedergeschlagen wurde und Franz Joseph I. seinen Onkel am 2. Dezember als Kaiser ablöste verweigerte sie der neuen ungarischen Regierung ihre Akzeptanz. Schlussendlich kam es zum Bruch zwischen Wien und Pest, als Feldmarschall Graf Lamberg am 25. September mit dem Oberbefehl über alle Truppen im Ungarischen Gebiet betraut wurde. Als ein paar Tage später ein fehlgeschlagener tödlicher Anschlag auf Graf Lamberg verübt worden war, befahl der kaiserliche Hof die Auflösung des ungarischen Parlaments und der Regierung. Jelačić wurde dann zu Lambergs Nachfolger und ein Krieg zwischen Österreich und Ungarn begann damit offiziellam 3. Oktober 1848.
Falls ihr mehr zu diesem Thema wissen wollt, kommt demnächst ein Artikel bei dem ich über den Ungarischen Unabhängigkeitskrieg berichte.
1 Feudalismus bezeichnet in den Sozial-, Rechts- und Geschichtswissenschaften vor allem die Gesellschafts- und Wirtschaftsform des europäischen Mittelalters.
2 Liberalismus ist eine Denkrichtung, die sich für die Verteidigung individueller menschlicher Rechte einsetzt und auf der individuellen und freiwilligen Kooperation der Menschen basiert.
3 Palatin oder auch Landespalatin war der höchste Titel im Parlament des Königreich Ungarns welcher durch den König und das Parlament bestimmt wurde.
4 Magnat wurde früher im Mittelalter die mächtigsten Herren in Ungarn genannt, welches den Hochadel umfasste. Ab der Neuzeit wurden damit Aristokraten gemeint welche durch persönliche Einladung am Landtag teilnahmen und sich als Magnatentafel versammelten.
Informationsquellen: Ungarische Revolution 1848/49 – Wikipedia